Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Silverstone
Mit Charles Leclerc erlebt die Formel 1 den vierten Sieger in den jüngsten vier Rennen. Für Spitzenreiter Kimi Antonelli, Max Verstappen und Nico Hülkenberg endet das Wochenende mit einem (weiteren) Dämpfer. Erkenntnisse aus Großbritannien.
CHARLES LECLERC: Der Ferrari-Zögling beendete seine Durststrecke. "Endlich!", funkte er an die Box, nachdem er seinen ersten Sieg seit Herbst 2024 eingefahren hatte. Angedeutet hatte es sich nicht. Zuletzt hinkte er seinem Teamkollegen Lewis Hamilton hinterher, zunächst auch in Silverstone. "Ich hatte das Gefühl, dass ich zwischen dem Sprintrennen und dem Qualifying was gefunden hatte", sagte er: "Das musste ich bestätigen und das Gefühl war tatsächlich heute wieder da. Ich bin so unglaublich froh." Es gehe vom "Helden zum Versager – und vom Versager zum Helden – in etwa zwei Tagen in diesem Sport", sagte er. Nach einer bislang schwierigen Saison ist der Monegasse zumindest für den Moment obenauf.
KIMI ANTONELLI: Der Teenager wurde von seinem Mercedes im Stich gelassen, aber zeigte große Moral. "Ich konnte schon fahren, aber mir hat total viel Abtrieb gefehlt. Ich konnte immerhin fahren und dachte, ich bin auf Platz zehn. Also versuchte ich zumindest diesen Platz zu halten", erklärte er bei Sky. Es klappte nicht, er beendete das Rennen auf dem 16. Platz. Die Art und Weise, wie der Italiener trotz des Defekts aber selbst an die kleinstmögliche Chance glaubte, erweitert das Bild eines zukünftigen Weltmeisters um eine zusätzliche Facette. Antonelli ist schnell, unbeschwert - und er gibt nie auf.
LEWIS HAMILTON: Der König von Silverstone sprach nur mit gedämpfter Stimme und war sichtlich niedergeschlagen. Sein zehnter Triumph beim Heimrennen wäre möglich gewesen, doch ihm unterlief schon ein Startfehler, der fünf Sekunden kostete. Immerhin konnte er nach Rennende Platz drei behalten - die Rennleitung verzichtete auf eine Strafe für eine missachtete gelbe Flagge und beließ es bei einer Verwarnung. "Bei mir hat es einfach nicht gepasst heute", sagte der Rekordweltmeister. Seinen Rückstand in der WM verkürzte er dennoch - ihm fehlen 32 Zähler zur Spitze.
FERRARI: Die Mechaniker des italienischen Traditionsrennstalls bejubelten emotional den zweiten Saisonerfolg. Es war zeitgleich der 250. Rennsieg für Ferrari in der Formel 1. Die Scuderia ist im Aufschwung und dabei allmählich auf Augenhöhe mit Mercedes. "Die Stimmung ist super positiv, weil es natürlich ein tolles Ergebnis für das Team insgesamt ist", sagte Teamchef Fred Vasseur bei Sky. 78 Punkte Rückstand hat Ferrari in der Teamwertung noch auf Mercedes. Das Duell nimmt Fahrt auf.
MAX VERSTAPPEN: Nach dem Zwischenhoch in Österreich verließ der viermalige Weltmeister den Traditionskurs in Silverstone mit schlechter Laune. Dass Red Bull "so viele Probleme" habe, dabei aber "eigentlich natürlich viel zu langsam" ist, nerve ihn am meisten, sagte er. Kurz vor Rennende kam er auf Platz drei liegend von der Strecke ab, statt auf dem Treppchen beendete der Niederländer den neunten Saisonlauf im Kiesbett. "Wir entschuldigen uns bei ihm. Wir holen das Auto zurück und versuchen zu erkennen, was da los war. Es war eindeutig irgendein Problem am Heck und er hatte keine Chance", versuchte Teamchef Laurent Mekies die Wogen zu glätten. Ob das klappt?
NICO HÜLKENBERG: In Silverstone hatte der Emmericher 2025 nach 15 Jahren Wartezeit endlich sein erstes Podium gefeiert. Seine neuerliche Durststrecke konnte er am Sonntag nicht beenden. Noch immer wartet der 38-Jährige in dieser Saison auf die ersten Punkte. Dieses Mal musste er seinen Audi abstellen. Seinem Teamkollegen Gabriel Bortoleto gratulierte er dennoch fair zu Platz acht. "Wichtig, dass wir mal wieder gepunktet haben. Der Kollege ist ein sehr sauberes Wochenende gefahren. Hart verdient, ich freue mich für ihn und das Team", sagte Hülkenberg bei Sky.
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