"Hey Jude": Starker Bellingham schießt England ins WM-Halbfinale
Jude Bellingham führt England ins WM-Halbfinale. Norwegens Märchen endet.
Miami (SID) Jude Bellingham warf Küsschen ins Publikum, Thomas Tuchel formte mit den Händen ein Herz, aus den Boxen dröhnte "Football's coming home": Als England die Hitzeschlacht gegen Norwegen mit 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung gewonnen hatte, begann auf dem Rasen und den Rängen die große WM-Party. Mittendrin war der überragende und von allen Seiten gefeierte Bellingham, der beide Tore erzielt und die "Three Lions" so ins Halbfinale geführt hatte.
"Bellingham, der Retter, schickt England erneut ins WM-Halbfinale", schrieb der Telegraph, die Sun meinte schlicht: "Bellingham ist der Held". Mit seinen Turniertoren fünf und sechs (45.+2/93.) drehte der Ex-Dortmunder nahezu im Alleingang die Partie. Der Underdog um Stürmerstar Erling Haaland war durch Andreas Schjelderup (36.) in Führung gegangen, nach Spielende flossen bei den Skandinaviern die Tränen.
England dagegen darf nun vom ersten Titel seit 1966 träumen, nächster Gegner ist am Mittwoch (21.00 Uhr MESZ) in Atlanta Weltmeister Argentinien oder die Schweiz. "England musste sich durchbeißen, sie hatten zwischendurch auch Glück, aber sie haben einfach nicht aufgegeben, und am Ende machte ihre Kaderstärke den Unterschied", schrieb der Guardian. Nach Schlusspfiff dröhnte natürlich auch der Beatles-Klassiker "Hey Jude" aus den Boxen.
Tuchel hatte bereits vor Wochen den Titel als klares Ziel ausgerufen. Es sei wichtig, groß zu denken und darüber auch zu sprechen. Seine Mannschaft hatte im Achtelfinale von Mexiko-Stadt den Co-Gastgeber Mexiko ausgeschaltet und zusätzlich Selbstvertrauen gesammelt.
Am Samstag in Miami taten sich die Engländer nach einer Schweigeminute für den verstorbenen südafrikanischen WM-Teilnehmer Jayden Adams jedoch zunächst schwer. Norwegen stand tief, verschob diszipliniert und bot Harry Kane und Co. keine Räume. Die Kombinationen der Engländer waren zu behäbig, was jedoch auch an den hohen Temperaturen gelegen haben könnte. Von gefühlten 38 Grad war die Rede.
Erst nach einer halben Stunde brachten die Engländer ihren bis dahin sehr zögerlichen Gegner mit einem Fehler selbst ins Spiel: John Stones hätte im eigenen Strafraum fast den Ball verloren und Haaland somit eine Großchance geschenkt (33.). Haaland (35.) köpfte kurz darauf drüber, dann schoss Schjelderup den Ball sehenswert in den Winkel. Die Engländer beschwerten sich über ein vermeintliches Foul an Kane in der Entstehung.
Dem norwegischen Kronprinzen Haakon war es egal - er jubelte an der Seite des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino ausgelassen. Dass Alexander Sörloth (39.) eine aussichtsreiche Konterchance leichtfertig vergab, rächte sich: Bellingham sorgte mit einer starken Einzelaktion für den Ausgleich. Diesmal protestierten die Norweger vergebens, weil der Ball kurz vorher die Aufhängung einer Sky-Cam berührt haben soll. Laut FIFA war dies aber nicht der Fall. Dann traf auch Kane - doch der Kapitän stand nach feinem Zuspiel von Bellingham im Abseits.
Die zweite Halbzeit gehörte den Norwegern, die sich gleich drei Ecken nacheinander erspielten - und über das 2:1 jubelten. Doch Haaland hatte vor Torbjörn Lysaker Heggems Treffer (55.) seinen Gegenspieler umgestoßen, Schiedsrichter Clément Turpin verwehrte dem Treffer nach Sichtung der Videobilder die Anerkennung.
Norwegen drängte weiter, traf durch Kristoffer Ajer (76.) die Latte. Die Engländer blieben im zweiten Durchgang ohne jeden Torschuss und retteten sich in die Verlängerung. Dort schlug Bellingham nach einem Patzer des zuvor so starken Keepers Nyland mit einem Abstauber eiskalt zu.
Wenig später bekam England einen Foulelfmeter zugesprochen, den Turpin nach Ansicht der TV-Bilder aber zurücknahm. Zu Beginn der letzten 15 Minuten musste Haaland völlig erschöpft vom Feld und musste tatenlos zusehen, wie sein Team vergeblich kämpfte.
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