Niedrigwasser legt Kriegstote frei: Wehrmachtssoldaten in Budapest exhumiert
Mehr als 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind in Budapest zwei durch den historisch niedrigen Wasserstand der Donau freigelegte tote deutsche Wehrmachtssoldaten exhumiert worden. Ein Umbetter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge barg die Gebeine in der ungarischen Hauptstadt aus dem Flussbett, wie der Verband am Freitag in Niestetal bei Kassel mitteilte. Auch zwei Erkennungsmarken wurden dabei gefunden.
Die sterblichen Überreste der beiden Männer waren dem Verband zufolge am Sonntag gegenüber des ungarischen Parlaments zusammen mit einem deutschen Militärmotorrad und mehreren Panzerabwehrminen im Flussbett der Donau gefunden worden. Deshalb waren auch Entschärfer im Einsatz.
Nach Angaben der Kriegsgräberfürsorge waren die zweiteiligen Marken noch vollständig - was darauf hindeutet, dass die Familien der beiden Soldaten bislang keine Gewissheit über deren Schicksal haben könnten. Üblicherweise sei im Todesfall eine Hälfte der Erkennungsmarke bei dem Soldaten belassen und die andere an die zuständigen Militärstellen geschickt worden, die die Benachrichtigung der Angehörigen regelten.
"Die Familien dieser Toten warteten offenbar vergeblich auf offizielle Nachricht", erklärte der Verband, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote sucht und bestattet. Die aus der Donau geborgenen Toten sollen auf der Kriegsgräberstätte Budaörs bei Budapest beerdigt werden.
Die Bergung des Motorrads übernahmen Mitarbeiter des ungarischen Instituts und Museums für Militärgeschichte, das mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge kooperiert. Gasöl im Flussschlamm habe Motorrad und Erkennungsmarken ungewöhnlich gut konserviert, hieß es. Buchstaben und Zahlen seien sehr gut lesbar.
Hohe Temperaturen und ausbleibender Regen haben die Pegelstände vieler großer europäischer Flüsse teilweise auf Rekordtiefen fallen lassen. Nach Angaben der Deutschen Kriegsgräberfürsorge tauchen derzeit auch Schiffswracks aufgrund der historischen niedrigen Wasserstände auf. Der Verband rechnete damit, dass auch in diesen Weltkriegstote zu finden sind. Zuständig seien zuerst die jeweiligen nationalen Experten. Im Fall deutscher Toter werde er dann verständigt.
Schätzungen zufolge starben im Zweiten Weltkrieg mehr als 70 Millionen Zivilisten und Soldaten, unzählige Schicksale sind ungeklärt. Allein in der Datenbank der Kriegsgräberfürsorge finden sich etwa 5,4 Millionen Einträge zu Kriegstoten und Vermissten.
Die zentrale Namenskartei des Deutschen Roten Kreuzes zu Weltkriegvermissten enthält Angaben zu mehr als 20 Millionen Suchanfragen. Bis heute dauert die Suche nach Verschollenen an, immer wieder werden noch Kriegstote entdeckt. Die Kriegsgräberfürsorge bettete nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr mehr als 5500 im Ausland gefundene Kriegstote um.
Latest stories
Panorama Mord an schwangerer Tochter in Köln: Tatverdächtiger Vater im Irak ermittelt
Fast zehn Jahre nach der Tötung seiner 19-jährigen schwangeren Tochter in Köln ist der tatverdächtige Vater im Irak ausfindig gemacht worden. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei in der nordrhein-westfälischen Großstadt am Freitag mitteilten, wurde ein Auslieferungsersuchen an die irakischen Behörden gestellt. Gegen...
Sports Körperverletzung: England-Stürmer Toney muss vor Gericht
Der englische Fußball-Nationalspieler Ivan Toney ist nach einem Vorfall in einem Londoner Nachtclub wegen Körperverletzung angeklagt worden. Der Stürmer des saudi-arabischen Klubs Al-Ahli soll am 24. September vor dem Westminster Magistrates' Court erscheinen...
Sports Schwimm-EM: Trio um Wellbrock verpasst Podest
Freiwasser-Dominator Florian Wellbrock hat seine dritte Goldmedaille bei der Schwimm-EM in Paris klar verpasst. Nach seinen Siegen über zehn und fünf Kilometer kam der Vierfach-Weltmeister im Knockout-Sprint als bester Deutscher in der Seine im Finale in 6:18,8 Minuten nur auf Platz sieben. EM-Neuling Johannes Liebmann wurde Achter (6:19...