Jugendschutz-Klage: Brasilien fordert Millionen-Entschädigung von Discord
Brasiliens Datenschutzbehörde will den Onlinedienst Discord mit einer Klage zu wirksameren Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen und zur Zahlung einer Entschädigung in Millionenhöhe zwingen. Die brasilianische Regierung erklärte, die Klage sei am Mittwoch nach gescheiterten Verhandlungen mit Discord eingereicht worden. Die Vorschläge des Unternehmens seien als "unzureichend erachtet worden, um die festgestellten Risiken zu beseitigen".
Mit der Klage solle Discord nun verpflichtet werden, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen zu ergreifen, erklärte die Regierung. Sie fordert zudem, das Unternehmen zur Zahlung von umgerechnet gut 83 Millionen Euro als Entschädigung für "kollektive immaterielle Schäden" zu verurteilen.
Die Datenschutzbehörde hatte Discord Mitte August angewiesen, Livestreams und Videoanrufe in Brasilien auszusetzen, nachdem ein Mädchen während einer solchen Übertragung mutmaßlich zum Suizid angestiftet worden war. Die Plattform erklärte zwar, sie arbeite daran, "Discord für Teenager sicherer zu machen". Die brasilianischen Behörden sehen nach eigenen Angaben aber "weiterhin Mängel" bei Altersverifizierung und Schutzmaßnahmen für die Nutzerinnen und Nutzer.
Im Zusammenhang mit dem Tod des 13-jährigen Mädchens, den ein Polizeibeamter als eine "Horrorshow im echten Leben" beschrieb, waren fünf Jugendliche festgenommen worden. Den Ermittlern zufolge hatten die Jugendlichen das Mädchen über 45 Minuten hinweg dazu angestiftet, ein Tier zu töten. Als das Mädchen dazu nicht in der Lage war, forderten sie es dazu auf, sich selbst zu töten.
Discord verfügt nach eigenen Angaben über weltweit mehr als 90 Millionen täglich aktive Nutzerinnen und Nutzer. Brasilien verlangt nun, dass Discord mehr Kontrollfunktionen für Eltern einführt, enger mit den Behörden zusammenarbeitet und technische Vorkehrungen trifft, um gefährliche Situationen für Heranwachsende zu erkennen und zu verhindern.
In Brasilien gilt seit März ein Gesetz zur Einschränkung der Social-Media-Nutzung durch Heranwachsende. Es verpflichtet Online-Plattformen, die Nutzerkonten von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren mit denen ihrer Eltern zu verknüpfen und das Alter zu verifizieren. Am Dienstag hatte Brasiliens Datenschutzbehörde die Videoplattform Tiktok wegen unzureichenden Kinder- und Jugendschutzes mit einer Geldstrafe von umgerechnet mehr als 25 Millionen Euro belegt.
mid
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