Oslo verbietet Smart Glasses in Schulen
Die norwegische Hauptstadt Oslo hat sogenannte Smart Glasses in ihren Schulen verboten. Der Schritt solle verhindern, dass Kinder "zu Statisten in der Datensammlung von Meta werden", erklärte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit Verweis auf den Facebook-Mutterkonzern. Das Verbot gelte für den gesamten Schultag und auf allen Ebenen von Bildungseinrichtungen.
Die in Oslo für Bildung zuständige stellvertretende Bürgermeisterin, Julie Remen Midtgarden, erklärte weiter, Politiker müssten den "Mut haben, ehrlich darüber zu sein, worum es dabei wirklich geht: Eines der reichsten Unternehmen der Welt hat ein Produkt auf den Markt gebracht, dessen ganzes Geschäftsmodell darauf beruht, es unmöglich zu machen, zu wissen wann man gefilmt wird."
Smart Glasses werden von verschiedenen Herstellern in Kooperation mit Technologiekonzernen wie Meta oder Google angeboten. Sie sind unter anderem mit Kameras ausgestattet und können sich mit dem Internet verbinden. Nutzern werden zudem Informationen über die Brillengläser angezeigt, die Geräte sollen etwa als Schnittstelle zu Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI) dienen.
Ihr Einsatz stößt jedoch auf erhebliche Datenschutzbedenken. Der Facebook-Mutterkonzern Meta hat Berichten zufolge eine Gesichtserkennungs-Funktion entwickelt, mit der die Brillen ausgestattet werden können.
Ende August hatte die norwegische Regierung angekündigt, die Nutzung sogenannter Smart Glasses und ähnlicher Geräte zu regulieren und eine Expertengruppe dazu eingesetzt. Digitalministerin Tung Karianne hatte gesagt, es sei offensichtlich, dass das Privatleben der Menschen "unter Druck der neuen Technologien" käme.
Oslos Vizebürgermeisterin Midtgarden machte der linksgerichteten Regierung indes schwere Vorwürfe. "Die Brillen werden heute schon in Norwegen verkauft", erklärte die konservative Politikerin. "Sie werden heute schon auf norwegischen Spielplätzen genutzt, das Problem ist jetzt da." Sich die Problematik anzuschauen, heiße nicht, zu handeln, erklärte sie.
Das Verbot trat schon am 27. August in Kraft, wurde aber wegen des Todes des norwegischen Königs Harald V. am 28. August erst jetzt verkündet. Während der Trauerzeit hatten die Parteien in Norwegen gegenseitige Zurückhaltung vereinbart.
In Deutschland hatte die Bundesnetzagentur vor zwei Jahren gewarnt, dass smarte Geräte mit eingebauten Kameras in Deutschland nicht erlaubt seien, "wenn sie unbemerkt Audio- oder Videoaufnahmen erstellen können und diese an andere Geräte übertragen". Das gelte auch für smarte Brillen, "wenn diese keine optischen Warnzeichen oder akustischen Signale abgeben, die auf das Fotografieren oder das Filmen hinweisen".
Die Organisation HateAid stellte im August Strafanzeige gegen Meta sowie mehrere Brillenhändler und -hersteller wegen des Verkaufs von Smart Glasses in Deutschland.
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