Klingbeil will bessere Bedingungen für Startups in Deutschland schaffen
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will bessere Bedingungen für Startups in Deutschland schaffen. "Mein Ziel ist, dass die Weltmarktführer von morgen in Deutschland gegründet werden und hier groß werden können", erklärte er am Montag vor einem Treffen mit Gründerinnen und Gründern aus Ostdeutschland. Junge innovative Unternehmen seien die Zukunft des Landes: "Sie bringen neue Ideen auf den Markt, schaffen gute Arbeitsplätze und machen unsere Wirtschaft wettbewerbsfähiger."
Derzeit scheiterten junge Unternehmen in Deutschland zu oft am Kapital für den nächsten Wachstumsschritt, erklärte Klingbeil. Hier setze das Bundesfinanzministerium an. Der Vizekanzler nannte den Zukunftsfonds unter dem Dach des Deutschlandfonds, mit dem "Milliarden an Wagniskapital" mobilisiert würden. Zudem sorge die Regierung mit besseren steuerlichen Bedingungen dafür, "dass deutlich mehr privates Kapital in junge, innovative Unternehmen fließt".
Sein Ministerium nannte auf AFP-Anfrage das seit Februar geltende Standortfördergesetz, das steuerrechtliche Hürden für Investmentfonds abbaue. Die Regierung habe außerdem die steuerliche Forschungszulage ausgeweitet; kleine und mittlere Unternehmen erhielten so einen erhöhten Fördersatz von 35 Prozent. "Die Zulage wird in Form eines Steuerguthabens gewährt. Schreibt ein Unternehmen Verluste, wird die Zulage direkt ausgezahlt. Das ist gerade für Startups wichtig, die in ihren ersten Jahren oftmals noch nicht profitabel sind", erklärte das Ministerium.
Klingbeil sagte, beim "Branchendialog Ost" wolle er nun von Gründerinnen und Gründern selbst hören, "was sie brauchen, um den nächsten Schritt zu gehen". Es gehe darum, "wie junge Unternehmen leichter Zugang zu Kapital" erhalten können.
An dem Treffen nahmen auf Einladung der Ostbeauftragten Elisabeth Kaiser (SPD) Vertreterinnen und Vertreter von Startups und Scaleups (Startups mit einem funktionierenden Geschäftsmodell) sowie von Wagniskapitalgebern teil. Klingbeil sagte, Ostdeutschland habe im ersten Halbjahr 2026 einen "Gründungsrekord" aufgestellt.
Kaiser betonte, Ostdeutschland sei eine der wichtigsten Startup-Regionen in Deutschland - mit Berlin im Zentrum. "Mein Ziel ist klar: Das Dax-Unternehmen von morgen soll aus Ostdeutschland kommen." Dafür wolle sie ein "starkes Netzwerk" schaffen, das Unternehmen und Investoren an einen Tisch bringe. Die Regierung arbeite zudem daran, Gründungen "einfacher und unkomplizierter zu machen".
Der finanzpolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Christian Görke, erklärte: "Angesichts der desaströsen Umfragewerte der SPD im Osten versucht Klingbeil offensichtlich noch einmal Aufmerksamkeit kurz vor den Wahlen zu generieren." Er nannte eine Steuersenkung, die mit der Gießkanne Geld an Startups verteilt, "finanzpolitisch fragwürdig". Junge Unternehmen bräuchten vor allem eine verlässliche Infrastruktur, flächendeckende Glasfaserverbindungen und langfristige Investitionszusagen, betonte Görke.
Michael Petrosjan vom Leipziger Software-Startup Flynex forderte im Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montagsausgaben) schnellere Marktzugänge, weniger Bürokratie und innovationsfreundlichere Vergabeverfahren. "Neue Technologien brauchen zu lange, um vom Pilotprojekt in die produktive Anwendung zu kommen", sagte er den RND-Zeitungen. Flynex entwickelt nach eigenen Angaben eine Plattform zur digitalen Planung, automatisierten Erfassung und KI-gestützten Auswertung von Geodaten und Infrastruktur per Drohne.
Der Technologiegründerfonds Sachsen sieht die Verkehrsanbindung als Standortproblem: "Reisezeiten von einem Arbeitstag von Dresden nach Düsseldorf oder Stuttgart" seien Realität, sagte Geschäftsführer Sören Schuster den RND-Zeitungen.
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