Uefa droht mit WM-Boykott wegen Investoren-Plänen der Fifa
Der europäische Fußball-Dachverband Uefa droht dem Weltverband Fifa mit einem WM-Boykott, falls Fifa-Boss Gianni Infantino an seinen Plänen zum Verkauf von WM-Anteilen an Investoren festhält. Die 55 Uefa-Verbände lehnen "den Vorschlag der Fifa einstimmig und unmissverständlich ab", erklärte die Uefa am Donnerstag nach einer Dringlichkeitssitzung. So lange "diese Vorschläge auf dem Tisch liegen, wird keine Uefa-Nationalmannschaft an einem Fifa-Wettbewerb mehr teilnehmen".
Der Fußball-Weltverband müsse die "verbindliche" Zusage machen, das Vorhaben "vollständig aufzugeben" und die WM und ihre Führungsstrukturen "niemals" für Investoren zu öffnen, verlangte die Uefa weiter. "Die Weltmeisterschaft darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden. (...) Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf."
Die Uefa erklärte weiter, der Einbeziehung von Investoren "niemals Legitimität verleihen" zu wollen. "Niemand hat die moralische Autorität, das zu verkaufen, was er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet." Von der Uefa-Drohnung betroffen wäre nach Angaben des Sport-Informations-Dienstes (SID) als nächstes Turnier die Frauen-WM 2027 in Brasilien.
Infantinos Pläne sehen vor, eine neue Tochtergesellschaft zu gründen, die künftig die Rechte an der Austragung von Turnieren wie der WM und der Club-WM halten soll. Investoren sollten Minderheitenrechte an dem Konzern erwerben können. Allein in diesem Jahr hätte das 4,2 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) in die Kassen spülen sollen.
Infantino hatte allen 221 Fifa-Mitgliedern eine Einmalzahlung in Höhe von 20 Millionen Dollar (umgerechnet 17 Millionen Euro) und weitere Fördermittel in Aussicht gestellt - allerdings nur, wenn die Verbände seine Pläne absegnen.
Die Fifa muss ihr Vorhaben noch vom 38-köpfigen Fifa-Rat und der Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände genehmigen lassen. Der Verband will dem Rat die Pläne in Kürze vorlegen.
Zuletzt hatte Infantino seine Pläne in einem von der Fifa verbreiteten Video verteidigt. Er verspreche sich von einem Teilverkauf der WM die "Erschließung bisher nicht realisierter Werte". Die "kommerzielle Seite des Fußballs" zu stärken, sei "der logische nächste Schritt" und bedeute für die Mitgliedsverbände "höhere Investitionen in bessere Fußballplätze" und "stärkere Nationalmannschaften".
Das Verhältnis zwischen der Uefa und der Fifa hatte sich bereits während der WM in den USA, Mexiko und Kanada eingetrübt. Aus Unmut über den Weltverband hatte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin das WM-Finale boykottiert. Bei der WM waren drei der vier Halbfinalisten europäische Teams gewesen.
Kritik an den Plänen kommt auch aus anderen Weltregionen, wie vom Verband aus Nord-, Mittel- und Südamerika CONCACAF sowie von der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC). Der Afrikanische Fußballverband CAF hatte seine Mitglieder unlängst dazu aufgerufen, den Fifa-Vorschlag zu prüfen.
Auch deutsche Politiker äußerten sich kritisch. Der Plan "gibt Anlass zur Sorge, denn er lässt außer Acht, dass die Fifa ein Sportverband und kein Konzern ist", sagte der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), der Nachrichtenagentur AFP. Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Bettina Lugk, warf Infantino vor, die Fifa "zunehmend wie einen globalen Wirtschaftskonzern" zu führen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf stufte die Pläne als "fatales Zeichen" ein.
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