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Bundeswehr: Reservistenverband kritisiert Umgang mit Ex-Soldaten und Ungedienten

Published on Julio 30, 2026 at 13:50

Der Reservistenverband fordert größere Anstrengungen bei der Rekrutierung von Reservisten. Sie müssten genauso behandelt werden wie Bewerber für die aktive Truppe. — Ina FASSBENDER / AFP
Der Reservistenverband fordert größere Anstrengungen bei der Rekrutierung von Reservisten. Sie müssten genauso behandelt werden wie Bewerber für die aktive Truppe. — Ina FASSBENDER / AFP

Der Reservistenverband fordert größere Anstrengungen bei der Rekrutierung von Reservisten. "Die Bundeswehr ist momentan gut darin, für die aktive Truppe zu werben", sagte Verbandschef Bastian Ernst (CDU) der Zeitung "Welt" laut Mitteilung von Donnerstag. "Der Faktor Reservisten spielt im Recruiting noch nicht dieselbe Rolle. Wir müssen die Karrierecenter anders aufstellen." 

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will die Zahl der Reservisten von aktuell rund 60.000 auf mindestens 200.000 bis zum Jahr 2035 steigern. Doch es gebe großen Nachholbedarf im Umgang mit Reservisten und Bewerbern, sagte der Bundestagsabgeordnete Ernst.

Für ehemalige Soldaten müsse künftig gelten: "Grundsätzlich sollte jeder, der zurückkehren möchte, wieder in die Bundeswehr kommen können." Ausnahmen seien Extremisten oder Bewerber mit gravierenden gesundheitlichen Problemen. "Aber wer dienen möchte, sollte nicht abgewiesen werden – unabhängig davon, ob er bereits gedient hat oder nicht."

Bewerber für die Reserve müssten genauso behandelt werden wie Bewerber für die aktive Truppe, forderte Ernst. "Das ist heute noch nicht überall der Fall. Das ist weniger eine Gesetzesfrage als eine Frage von Mindset und Umsetzung."

Besonders groß seien die Probleme beim Umgang mit ungedienten Bewerben, betonte der Verbandspräsident. "Uns begegnen Menschen, die etwa ihren Kriegsdienstverweigerungsantrag zurückziehen und mit 45 oder 50 Jahren, mit Familie und mitten im Leben, sagen: Ich will etwas tun. Ich entscheide heute anders als mit 18 oder 19." Diese Menschen würden zu oft auflaufen und Rückmeldungen bekommen wie: "Das geht nicht, das dauert zu lange, oder das ist nichts für Sie. Man fordert sie auf, ihr Abiturzeugnis herauszusuchen." Es könne nicht sein, "dass man diese Menschen im Prozess scheitern lässt oder sogar abweist".

Für Ungediente gebe es derzeit rund 1000 Plätze, sagte Ernst. "Gleichzeitig ist der Verwaltungsaufwand für diese 1000 Soldatinnen und Soldaten sehr hoch." Dafür brauche es neue Ansätze und Kriterien: "Ein Abiturzeugnis sagt bei einem 45-Jährigen kaum noch etwas aus. Gleiches gilt häufig für alte Ausbildungsabschlüsse. Menschen entwickeln sich weiter. Entscheidend ist die Bereitschaft, dem eigenen Land dienen zu wollen. Dann muss man schauen, was diese Person heute mitbringt."

Ernst beklagte zudem die noch stockende Ausrüstung der Reservisten. "Momentan ist es häufig noch so, dass die Reservisten Material der aktiven Truppe nutzen. Dieser 'Waffenklau' muss enden", forderte der Reservistenpräsident. Es fehlten Gewehre, Funkgeräte und leichte Fahrzeuge: "Die Reserve soll künftig über eigene Systeme verfügen, die denen der aktiven Truppe entsprechen." Auch bei den Übungsmöglichkeiten gebe es Defizite: "Nichts ist frustrierender, als beordert zu sein und sich engagieren zu wollen, aber keine Möglichkeit zum Üben zu erhalten."

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