Fünf Jahre Ahrtal-Katastrophe: Caritas für Neuaufstellung von Katastrophenschutz
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal fordert die Caritas von der Bundesregierung eine Neuausrichtung des Bevölkerungsschutzes. Deutschland sei auf einem guten Weg, es könne und müsse aber noch viel besser werden, sagte der für die Katastrophenhilfe zuständige Caritas-Vorstand Oliver Müller den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Dienstagsausgaben). Nachholbedarf sieht er insbesondere beim Informationsaustausch und bei der Vorbereitung auf mögliche künftige Katastrophen.
Technische Warnsysteme etwa seien wichtig, sagte Müller. "Aber eine Warn-App hilft nur begrenzt, wenn Menschen nicht wissen, was sie danach tun sollen." Gleichzeitig mahnte der Caritas-Vorstand zur Vorsicht. Es gebe "viele weitere Orte in Deutschland, die vielleicht noch nicht wissen, dass sich auch dort eine Flut ereignen kann. Das ist die große Herausforderung, vor der wir stehen."
Insgesamt sei Deutschland wirksamer auf Großlagen nach Art der Ahrtal-Katastrophe vorbereitet, analysierte der Experte. "Es gibt bessere Absicherungen und man hat natürlich eine wesentlich höhere Sensibilität dafür", sagte Müller. Aus der Erfahrung der Caritas müsse Katastrophenschutz jedoch "sozialräumlicher gedacht werden". Dazu gehöre unter anderem die Frage, wie lange sich Pflegeheime, Kitas oder Schulen selbst versorgen könnten.
Informationsketten müssten funktionieren, "indem die Beteiligten der Hilfsstrukturen bereits vor einer Katastrophe miteinander sprechen", forderte Müller. Katastrophenschutz werde vor allem unter technischen Aspekten betrachtet, die Wohlfahrtsverbände würden zusätzlich eine wichtige soziale Komponente einbringen. Diese gelte es zu nutzen, da die staatlichen Hilfsorganisationen allein an ihre Grenzen kämen.
Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gedenken am Dienstag der verheerenden Flutkatastrophe von vor fünf Jahren. Extremer Starkregen hatte im Juli 2021 verheerende Überschwemmungen ausgelöst. In Rheinland-Pfalz kamen 135 Menschen ums Leben. In Nordrhein-Westfalen gab es 49 Tote.
hei/gav
© Agence France-Presse
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