Merlier auch in Bergerac der Sprinterkönig - Ackermann Siebter
Tim Merlier schoss unwiderstehlich aus dem Windschatten hervor und ließ im Highspeed-Finale von Bergerac auch den deutschen Profis keine Chance. Der belgische Sprinterkönig hat nach einer Machtdemonstration auch die achte Etappe der Tour de France gewonnen. Pascal Ackermann raste nach einer spannenden Entscheidung auf Rang sieben.
Zum Abschluss der Massenspurt-Trilogie verwies Merlier Biniam Girmay (NSN Cycling) und Olav Kooij (Decathlon – CMA CGM) auf die Plätze. Die erste Sprintankunft hatte am Mittwoch noch Kooij aus den Niederlanden für sich entschieden, bei der zweiten am Freitag hieß der Sieger Merlier. Der erfahrene Mann vom Team Soudal Quick-Step feierte nun seinen insgesamt fünften Tagessieg beim wichtigsten Radrennen der Welt.
Dabei wäre es beinahe anders gekommen: Der tapfere Ausreißer Liam Slock aus Belgien wurde erst 1400 Meter vor dem Ziel vom Feld geschluckt - und verpasste denkbar knapp einen Sensationssieg. Max Kanter (Cottbus/XDS Astana), in den bisherigen Sprintentscheidungen Zweiter und Vierter, fuhr auf Rang neun ein. Am neunten Jahrestag von Marcel Kittels Triumph an selber Stelle geht das Warten auf einen deutschen Tour-Etappensieg weiter, der bislang letzte liegt fünf Jahre zurück.
Das Gelbe Trikot verbleibt auf den vertrauten Schultern des Topfavoriten Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG), der erneut mit dem Hauptfeld ins Ziel kam - wie auch seine Rivalen im Kampf um den Gesamtsieg. Im Kampf ums grüne Trikot des punktbesten Fahrers verteidigte Ex-Weltmeister Mads Pedersen seine Führungsposition, knapp vor Merlier.
Die französische Hochsommer-Hitze peinigte Fahrer wie Fans zum wiederholten Mal. Am Zielort verpasste die lokale Feuerwehr den Zuschauern mit Wasserschläuchen eine dringend benötigte Erfrischung, das Feld ließ es bei mehr als 35 Grad auf den 180,4 Kilometern lange ruhig angehen. Erst bei der einzigen Sprintwertung des Tages wurde es rasant - Kanter war abermals gut positioniert, verpasste aber die Spitzenposition beim Sprint des Hauptfelds.
Bei der kleinen Bergwertung knapp 40 km vor dem Ziel kam kurz Hektik auf, letztlich blieb das Rennen aber kontrolliert. Zwei der drei Ausreißer, die sich früh gefunden hatten, wurden schließlich eingeholt, doch Slock wehrte sich nach Kräften - er profitierte dabei auch vom starken Rückenwind.
Zunehmend panisch rollte das Feld nun im hohen Verfolgungstempo auf Bergerac zu - dort, wo deutsche Sprinter in der Vergangenheit ihre Spuren hinterlassen hatten. Routinier John Degenkolb, im Alter von 37 auch in diesem Jahr dabei, wurde hier 2014 Zweiter, drei Jahre später wiederholte er diese Topplatzierung. Stärker war damals nur Kittel, der vor exakt neun Jahren für den bislang letzten deutschen Massenspurt-Erfolg sorgte.
Auf ihre nächste Chance müssen die endschnellen Männer nun bis Mitte der zweiten Tourwoche warten. Auf der neunten Etappe, die am Sonntag über 185,5 km von Malemort nach Ussel führt, stehen mehrere Bergwertungen der 2. bis 4. Kategorie an, es dürfte ein Tag für Fluchtgruppe werden.
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