Bund und Länder gründen Zentrum für Safe Sports
Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Ländern haben nach jahrelanger Vorarbeit am Donnerstag das Zentrum für Safe Sport gegründet. Die unabhängige Institution mit Sitz in Kassel soll den Schutz vor Gewalt und Machtmissbrauch im Sport stärken und im Frühjahr 2027 die Arbeit aufnehmen. Träger des Zentrums ist ein gemeinsamer Verein von Bund und Ländern.
"Wer Gewalt erlebt, muss darauf vertrauen können, dass Vorwürfe unabhängig geprüft und konsequent aufgearbeitet werden. Genau dafür schaffen Bund und Länder mit dem Zentrum für Safe Sport erstmals eine unabhängige Institution außerhalb der bestehenden Sportstrukturen", sagte Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) anlässlich der Gründungsveranstaltung in Berlin.
Anlass für die Gründung des Zentrums waren wiederholt bekannt gewordene Fälle interpersonaler Gewalt im deutschen Sport, die innerhalb der bestehenden Strukturen nicht oder nur unzureichend aufgearbeitet werden konnten. Der unabhängige Verein Athleten Deutschland hatte sich frühzeitig für das Zentrum eingesetzt - am Donnerstag dankte er der Bundesregierung für die "Umsetzung dieser wichtigen Maßnahme", sieht aber weiteren Handlungsbedarf.
"Wir freuen uns immens, dass das Zentrum nach fünf Jahren intensiver Vorarbeiten jetzt endlich an den Start geht. Damit sind wir dem Ziel, Betroffenen Zugang zu unabhängigen Untersuchungs- und Disziplinarverfahren zu verschaffen, ein bedeutendes Stück näher gekommen", sagte Johannes Herber, Geschäftsführer der Athleten.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) begrüßte den Schritt "ausdrücklich". Michaela Röhrbein aus dem Vorstand wies daraufhin, dass im organisierten Sport bereits "viele Maßnahmen auf den Weg gebracht worden sind, um Gewalt vorzubeugen." Das Zentrum für Safe Sport ergänze diese Arbeit "um einen wichtigen, unabhängigen Baustein".
Das Zentrum soll neben seiner Funktion als Untersuchungs- und Disziplinarinstanz Standards für Prävention, Intervention und Aufarbeitung setzen und Sportorganisationen bei deren Umsetzung unterstützen. "Wir sind sehr stolz, dass eine von uns entwickelte Idee den Test der Zeit bestanden und sich entgegen erheblicher Widerstände durchgesetzt hat", sagte Herber.
Die Athleten wiesen darauf hin, dass weitere Schritte folgen müssen. Entscheidend sei, "dass Spitzenverbände und Landessportbünde den auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2024 verabschiedeten Safe Sport Code zügig implementieren und wiederum ihre Mitgliedsorganisationen an den Code binden".
Auch Theresa Schopper (Grüne/Baden-Württemberg), Vorsitzende der Sportministerkonferenz der Länder, sagte: "Die Gründung des Zentrums ist kein Abschluss, sondern der Beginn einer neuen Etappe: Jetzt müssen die neuen Strukturen mit Leben gefüllt werden." Eine Grundlage dafür soll das neue Sportfördergesetz sein, in der die Umsetzung des Safe Sport Codes zur verbindlichen Fördervoraussetzung für Verbände gemacht wird.
"Der Aufbau des Zentrums bleibt eine komplexe Aufgabe, die wenig Spielraum für Fehler zulässt", sagte Herber: "Nur mit hoher Transparenz und der vertrauensvollen Einbindung der wichtigsten Akteure, insbesondere der Betroffenen, kann das notwendige Vertrauen in das Zentrum geschaffen werden."
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