Streit um politische Neutralität: Niederlande nehmen auch am kommenden ESC nicht teil
Nach ihrem Boykott in diesem Jahr wegen der Teilnahme Israels nehmen die Niederlande auch im kommenden Jahr nicht am Eurovision Song Contest (ESC) teil. Der Musikwettbewerb habe durch den Umgang mit Israel seinen "neutralen Charakter" verloren, begründete der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Avrotros am Montag die Entscheidung.
"Es ist unbestreitbar, dass internationale Konflikte sich zunehmend auf den Wettbewerb auswirken und seinen neutralen Charakter untergraben", erklärte der Generaldirektor von Avrotros, Taco Zimmerman. Der ESC sei damit "zu einer Plattform für Spaltung geworden".
Die Niederlande haben als Gründungsmitglied und fünfmaliger Gewinner des ESC und der Vorgänger-Wettbewerbe über Jahrzehnte eine wichtige Rolle bei dem größten im Fernsehen übertragenen Musikereignis der Welt gespielt. Dieses Jahr boykottierten sie aber mit vier weiteren traditionellen Teilnehmerländern wie Spanien den im Mai in Wien ausgerichteten ESC.
Der Entscheidung vorausgegangen war ein heftiger Streit um die Teilnahme Israels. Die Niederlande und andere Ländern forderten einen Ausschluss Israels vom ESC wegen des Vorgehens der israelischen Armee im Gaza-Krieg, den die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 mit ihrem brutalen Überfall auf Israel ausgelöst hatte.
Nach dem Sieg der bulgarischen Sängerin Dara mit ihrem Partylied "Bangaranga" in Wien findet die 71. Ausgabe des Wettbewerbs am 15. Mai 2007 in der bulgarischen Küstenstadt Burgas statt. Nach seinem Regelwerk muss der ESC neutral und unpolitisch sein. Nach dem Streit um die Teilnahme Israels hatte die Europäische Rundfunkunion (EBU) als Veranstalterin zudem Mitte August entschieden, dass Länder im Kriegszustand nicht Gastgeber des Musikwettbewerbs sein dürfen.
Den Niederlanden geht diese Neuregelung jedoch nicht weit genug. Wie Avrotros mitteilte, kann aus Sicht des Senders nicht garantiert werden, dass mit den neuen Regeln "der unabhängige und neutrale Charakter des Eurovision Song Contests wiederhergestellt werden kann."
Die Entscheidung, auch 2007 nicht am ESC teilzunehmen, sei "schmerzlich, weil wir im nächsten Jahr sehr gerne wieder Teil des Wettbewerbs gewesen wären", erklärte Sender-Chef Zimmerman, der aber auf die "Werte" öffentlich-rechtlicher Sender verwies. "Sie leiten uns in allem, was wir tun, auch wenn das bedeutet, dass wir uns von einer Veranstaltung zurückziehen, die uns sehr am Herzen liegt."
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