NADA-Chef Mortsiefer: "Wir verlangen viel von den Athleten"
Trotz zuletzt lautstark vorgetragener Kritik prominenter Athletinnen und Athleten sieht Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), die Akzeptanz des Anti-Doping-Systems nicht gefährdet. Die Zustimmung zum Kampf gegen Doping sei im Sport weiterhin groß, sagte Mortsiefer im SID-Interview.
"Alle werden unterschreiben, dass ein Doping-Kontrollsystem und eine kontinuierliche Anti-Doping-Arbeit wichtig und sinnvoll für die Integrität des Sports sind", erklärte der NADA-Chef, Kritik müsse auch vor dem Hintergrund der jeweiligen Situation betrachtet werden. Nach Niederlagen oder bei unangekündigten Kontrollen in den frühen Morgenstunden reagierten Athletinnen und Athleten verständlicherweise emotional, die grundsätzliche Akzeptanz werde dadurch aber nicht infrage gestellt, so der Jurist.
Mit Blick auf die während der Tour de France diskutierten nächtlichen Kontrollen, durchgeführt von der Internationalen Testagentur ITA, verteidigte Mortsiefer die Notwendigkeit eines wirksamen Kontrollsystems. Man bewege sich dabei auf einem "ganz, ganz schmalen Grat" zwischen Eingriffen in die Privatsphäre und der Sicherstellung glaubwürdiger Kontrollen. Für Sportlerinnen und Sportler dürfe es "eigentlich keinen Punkt" geben, "wo du dir sicher sein kannst, nicht kontrolliert zu werden", sagte er.
Gleichzeitig müsse die Anti-Doping-Arbeit stetig weiterentwickelt werden. Fortschritte in Analytik und Forschung könnten künftig dazu beitragen, dass belastende Maßnahmen wie Nachtkontrollen überflüssig werden. Entsprechend räumte er ein: "Wir verlangen viel von den Athletinnen und Athleten."
Die zum Teil scharf kritisierten harten Sanktionen bei verweigerten Dopingkontrollen verteidigte Mortsiefer grundsätzlich: "In der Anti-Doping-Community, also auch unter Athleten, hat sich international die klare Meinung herausgebildet, dass eine verweigerte Dopingkontrolle genauso zu werten ist wie ein positives Analyseergebnis. Aber man muss sicherlich schauen, wie sich das entwickelt. Das Regelwerk wird alle sechs bis sieben Jahre überarbeitet. Das ist ein großer Prozess, in dem alle am Sport mitarbeiten."
Zuletzt war die frühere Wimbledonsiegerin Marketa Vondrousova aus Tschechien wegen eines verweigerten Tests für vier Jahre gesperrt worden. Anfang Juli verweigerte der deutsche 100-m-Rekordhalter Owen Ansah eine Kontrolle mit Verweis auf einen terminlichen Engpass. Er ist derzeit startberechtigt, die NADA hat aber ein Verfahren wegen eines "möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen" eingeleitet.
© 2008-2026 Sport-Informations-Dienst
Latest stories
Topthemen Auf Hitze folgen Unwetter: Regional starke Gewitter bei hohen Temperaturen erwartet
In Deutschland wechseln sich in den kommenden Tagen hohe Temperaturen mit teils kräftigen Gewittern ab. Am Donnerstag soll es bei Höchstwerten von bis zu 39 Grad Celsius vor allem in der Südosthälfte des Landes heiter und sonnig werden, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch in Offenbach mitteilte. Die Meteorologen erwarteten allerdings im...
Sports "Skandalöser Ausverkauf": FairSquare attackiert FIFA-Pläne
Die Organisation FairSquare hat die Investoren-Pläne des Weltverbandes FIFA rund um die Fußball-Weltmeisterschaft als "skandalösen Ausverkauf unseres gemeinsamen Erbes" bezeichnet. Wie der Direktor der Organisation Nicholas McGeehan am Mittwoch auf SID-Anfrage mitteilte, gehöre der Fußball "nicht der FIFA, um ihn zu verkaufen - schon gar nicht an Private-Equity-Fonds und Organisationen, die...
Topthemen Spranger sagt umfassende Aufklärung von CSD-Aufschlag zu - Grüne wollen U-Ausschuss
Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) eine gründliche Aufarbeitung zugesichert. Im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sagte Spranger am Mittwoch, es stellten sich die Fragen, ob der Anschlag hätte verhindert werden können, ob es Schwachstellen gegeben habe oder ob Fehler gemacht worden...