Industrieproduktion verzeichnet im Mai Zuwächse - vor allem in Autoindustrie
Die deutsche Industrieproduktion hat im Mai insbesondere wegen Zuwächsen in der Autoindustrie etwas zugelegt. Gegenüber April stieg sie um 0,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Das gesamte Produzierende Gewerbe, zu dem auch die Energieerzeugung und das Baugewerbe zählt, legte um 0,9 Prozent zu. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht weiterhin keine Trendwende.
Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich von März bis Mai lag die Gesamtproduktion den Angaben zufolge um 0,1 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor. Gegenüber dem Vorjahresmonat blieb sie im Mai konstant.
Die Autoindustrie produzierte 3,6 Prozent mehr als im April. Auch bei Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen sowie Metall- und Chemieprodukten gab es ordentliche Zuwächse. Rückgänge gabe es hingegen beim sonstigen Fahrzeugbau, bei elektrischer Ausrüstung, Pharmaprodukten und im Maschinenbau.
Das Baugewerbe trug nach Angaben der Statistiker ebenfalls mit einer Steigerung um 0,9 Prozent zur positiven Gesamtentwicklung bei. Die Energieerzeugung legte um 0,8 Prozent zu.
"Die Industrieproduktion fasste zuletzt zwar wieder etwas Tritt, sie ist jedoch weiterhin von sektoralen Unterschieden und starken Schwankungen in den einzelnen Wirtschaftszweigen geprägt", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. "Auch wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zuletzt wieder angelaufen ist, bleibt die Unsicherheit bezüglich einer Normalisierung der Handelsaktivitäten hoch." Eine umfassende Belebung der Industriekonjunktur sei "derzeit noch nicht absehbar".
Ähnlich bewertet auch die DIHK die Zahlen. Der leichte Zuwachs sei "erfreulich". Doch die Produktion liege weiterhin unter dem Vorjahreswert. "Die strukturellen Probleme ebenso wie hohe Kosten für Personal oder Energie und Bürokratie lasten schwer auf der deutschen Industrie", erklärte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. "Ohne schnelle Verbesserung der Rahmenbedingungen hierzulande ist kein Aufschwung in Sicht."
Der ING-Experte Carsten Brzeski zeigte sich optimistischer. "Trotz des Krieges im Nahen Osten und der stark steigenden Energiepreise erweist sich die Industrieproduktion als widerstandsfähig", erklärte er. "In den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals ist die Industrieproduktion sogar gestiegen und nicht gesunken." Manches Unternehmen könne auch vom Krieg profitiert haben, da asiatische Wettbewerber härter von der Energiekrise getroffen wurden.
pe/oer
© Agence France-Presse
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