Brasiliens Justiz untersucht Video mit KI-Bild von Ex-Präsident Bolsonaro
Der unter Hausarrest stehende brasilianische Ex-Präsident Jair Bolsonaro sieht sich wegen eines Videos mit einem KI-erzeugten Doppelgänger seiner Person mit einer Untersuchung der Justiz konfrontiert. Falls das Video mit Bolsonaros Zustimmung produziert worden sein sollte, stelle dies einen "schwerwiegenden Verstoß" gegen die Auflagen des Hausarrests dar, erklärte Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gericht des südamerikanischen Landes. Bolsonaro erklärte daraufhin, er sei nicht verantwortlich für das Video.
In dem Video ruft der KI-Doppelgänger von Bolsonaro die Anhänger auf, seinen Sohn Flávio Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl im Oktober zu unterstützen. Senator Flávio Bolsonaro war am Samstag offiziell zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl gekürt worden. Bei dem Kongress wurde das Video mit dem KI-Doppelgänger von Jair Bolsonaro gezeigt.
In einer Stellungnahme an das Oberste Gericht versicherten die Anwälte Bolsonaros am Mittwoch, ihr Mandant habe "die Verwendung seines Bildes und seiner Stimme für die Erstellung des mittels Künstlicher Intelligenz generierten Videos nicht genehmigt". Er habe aber auch nie Einwände dagegen erhoben, dass seine Kinder sein Bild für politische Aktivitäten nutzen - aufgrund der "natürlichen Vertrauensbeziehung zwischen Vater und Kindern".
Jair Bolsonaro ist es untersagt, öffentliche Äußerungen zu tätigen. Das Oberste Gericht hatte den rechtsradikalen Ex-Präsidenten im vergangenen September wegen eines geplanten Umsturzes zu gut 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde schuldig gesprochen, eine "kriminelle Organisation" angeführt zu haben, um seine 2022 erlittene Wahlniederlage gegen Luiz Inácio Lula da Silva zu kippen.
Jair Bolsonaro verbüßte mehrere Monate seiner Strafe im Gefängnis, ehe er im März aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest gestellt wurde.
Sollte der ehemalige Präsident - wie von ihm nun angegeben - das Video nicht genehmigt haben, könnte Flávio Bolsonaro gegen das brasilianische Wahlgesetz verstoßen haben. Dieses verbietet die Erstellung von sogenannten Deepfakes von Personen des öffentlichen Lebens zur Verbreitung politischer Botschaften ohne ihre Zustimmung.
Flávio Bolsonaro hatte in Umfragen zuletzt an Zustimmung eingebüßt, maßgeblich wegen eines Finanzskandals und einer öffentlich ausgetragenen Fehde mit seiner Stiefmutter, der früheren First Lady Michelle Bolsonaro. Außerdem könnten Flávio Bolsonaro die guten Verbindungen der Familie zu US-Präsident Donald Trump gefährlich werden. Trump hatte zuletzt Strafzölle gegen Brasilien verhängt.
jes
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