Fall Erfurt: Staatskanzlei, DESG und TERV vereinbaren Dialog
In den Streit zwischen der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) und dem Thüringer Eis- und Rollsportverband (TERV) um den Stützpunkt Erfurt kommt neue Bewegung. Stefan Gruhner, Chef der Thüringer Staatskanzlei und Sportminister, hat am Dienstag in Berlin bei einem Treffen mit den Präsidenten Matthias Große (DESG) und Michael Schneider (TERV) einen "konstruktiven Dialog" vereinbart, das gab die Thüringer Staatskanzlei bekannt. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Athleten sowie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) waren dabei.
Laut Mitteilung wurde ein Moratorium vereinbart, "wonach die strittigen Punkte in den Athletenvereinbarungen der DESG bis zur Entscheidung über die zukünftige Stützpunktstruktur ausgesetzt werden". Die anstehenden Strukturentscheidungen des DOSB und des Bundeskanzleramtes sollen abgewartet werden.
"Ich danke den beiden Präsidenten Matthias Große und Michael Schneider für den konstruktiven Austausch und die Übereinkunft einer tragfähigen Zwischenlösung im Interesse der Athletinnen und Athleten", so Gruhner: "Die Thüringer Landesregierung ist sich sicher, die Entscheidungsträger von den hervorragenden Bedingungen für den Spitzen- und Nachwuchsleistungssport am Bundesstützpunkt Erfurt zu überzeugen."
Auch die Bundesregierung ist mit den Entwicklungen zufrieden. "Mit dem Ergebnis haben wir einen guten Stand erreicht", sagte Babette Kibele, Abteilungsleiterin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt: "Ich hoffe, dass sich, ehrlich gesagt, die Wogen ein bisschen geglättet haben."
Der Verein Athleten Deutschland übte nach der Ankündigung Kritik. "Das Moratorium befreit die Athletinnen und Athleten aus der aktuellen Drucksituation, schafft aber weder Planungssicherheit noch behebt es den grundlegenden Konflikt", sagte Geschäftsführer Johannes Herber. Die Vereinbarung stelle aus Sicht der Interessensvertretung somit keine Lösung, sondern allenfalls ein Aufschub der bestehenden Probleme dar. Weitere Strukturgespräche sollten zudem durch eine unabhängige Task Force unter Federführung des Bundeskanzleramts und Einbindung des DOSB erfolgen.
"Wir werden weiter unsere Rolle wahrnehmen", sagte Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport im DOSB, dem SID. Der Dachverband wolle weiter "zu deeskalierenden Maßnahmen beitragen".
Hintergrund ist die Auseinandersetzung um die neue Athletenvereinbarung, die Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufern zur Unterschrift vorgelegt worden war. Diese bestanden auf einer Zusatzvereinbarung, die den Standort Erfurt schützen sollte, das wollte die DESG nicht akzeptieren. Der Verband hatte den Athleten zuletzt eine Nachfrist bis zum 20. Juli gesetzt. Die Sportler bangen um ihren Kaderplatz und damit um einen Großteil der finanziellen Förderung. Eisschnellläufer aus Erfurt sollen sich den anderen Stützpunkten in Inzell und Berlin anschließen, wehren sich aber.
Die Stützpunktentscheidung solle "transparent, nachvollziehbar und auf einer belastbaren sportfachlichen Grundlage" getroffen werden, hieß es nun aus der Staatskanzlei. Dabei wurde "die besondere Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für die Athletinnen und Athleten" hervorgehoben. Ziel bleibe "eine leistungsfähige und zukunftsfähige Struktur des deutschen Eisschnelllaufs, die sowohl den Anforderungen des Spitzensports als auch den Interessen der Athletinnen und Athleten" gerecht werde.
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